Zeiteisen oder nicht Zeiteisen, das ist hier die Frage

Wir leben in technisch aufregenden Zeiten. In den 90ern wurde das Urheberrecht noch von Napster auf der rechten Spur überholt. Mit der Nase voll Koks und nackten Stripperinen mit Schampusflaschen in Magnumgröße im Arm, laut hupend. Damals war alles gefühlte Grauzone (auch wenn man es natürlich heute besser weiß). Aber Abmahnungen waren quasi Nichtexistent. Klar, angeblich soll es ziemlich lange gedauert haben, mit so einen 56K-Modem ein 128bit kodiertes 3-Minuten-Lied herunterzuladen. Das Limit der Internetnutzung war damals direkt vom Geldbeutel, der Spendierlaune (mehr = besser) und der Telefonnutzung (weniger=besser) der Eltern abhängig. Aber war man erstmal drin…

Die Technik hat das Gesetz damals überholt. Heute gibt es (demnächst) selbstfahrende Autos, aber die Uhrzeit vom Handy abzulesen ist verboten. Dabei muss ich beim schauen auf die Armbanduhr sogar meinen Arm verdrehen und möglicherweise mit der anderen Hand meinen Ärmel hoch schieben und die Uhr zurechtrücken. Wer kennt das nicht?

Aber halt! Ist das wirklich eine Armbanduhr? Wie sind die Smartwatches mit ihren Notifications und Touchscreens eigentlich an der Stelle einzuordnen? Sind das Handys oder Uhren? Oder beides? Oder keins von beiden? Kann der Polizist der mich anhält (oder mich aus dem Auto zieht) am Ende beurteilen, ob ich gerade einen “YEEAH, 200KM/H!!!”-Tweet abgesetzt, bei Facebook was geliked oder doch nur auf die Uhrzeit gesehen habe?

Aus Datenschutzrechtlicher Sicht ist dann natürlich im Sinne der Selbstbelatung und überhaupt die Frage: dürfte er dafür entsprechende Einsichten von mir verlangen? Fragen über Fragen.

Und das interessanteste: Die Frage wird bei Gerichten und Medien natürlich erst im April 2015 relevant, wenn auch Apple eine Smartwatch verkauft. Die Android-Smartwatches fliegen diesbezüglich seit geraumer Zeit eher unter dem Radar. Aber das wird mit den ersten Versicherungs- und Unfällen sicher noch spannend.

Umzäunte Gärten, wohin man blickt

Ich bin Kunde bei Runtastic. Noch zumindest. Denn ich habe einen Fehler gemacht, wenngleich ich diesen auch nicht korrigieren werde. Ich habe mir ein GPS-Zubehör-Teil gekauft, auf dem kein Runtastic-Label prangt. Ich habe mir eine Garmin Forerunner 15 gekauft, vergleichsweise spottbillig. Warum ich das getan habe: Ich will eine GPS-Aufzeichnung, die meinen Handy-Akku nicht belastet, wenn ich in Zukunft wieder mehr Fahrrad fahre.

Die Auswahlprozedur ist aufwändig, wenn man etwas halbwegs vernünftiges kaufen will. Am Ende hatte ich die Qual:

Forerunner 15

  • proprietärer Anschluss zum Laden
  • proprietäres Format der Tracks
  • nervige Software + Portal von Garmin

Polar M400

  • Micro-USB zum Laden
  • Bluetooth zum Sync mit Handy-App
  • nervige Software + Portal von Polar, laut FAQ ohne Möglichkeit des Datenexports als GPX-Track oder so

Bei Garmin bekomme ich die Daten per USB als .fit Dateien, für die es auf verschiedene Weise Konverter (online + offline) gibt, bei Polar kommt man scheinbar gar nicht an die Daten.

Wie auch immer man es dreht, jeder Hardware-Hersteller kocht langsam aber sicher sein eigenes Süppchen, mit seinem eigenen Portal, seine eigene Suppe, so ähnlich wie das auch bei der Home-Automatisierung passiert. Bloß dass es bei der Automatisierung noch Schnittstellen gibt, die Hardware-Hersteller von Sportzubehör dann eher der Meinung sind, nur ihr eigenes Portal wäre am besten geeignet.

Und die Betreiber von Seiten wie runtastic sehen natürlich ihre Chance auf horizontale Erweiterung und verkaufen nun neben ihren Premium-Mitgliedschaften auch Hardware und versuchen Schnittstellen zu anderen Systemen systematisch einzudampfen.

Was hier im Endeffekt einspart wird, ist der Nutzen für den Kunden. Ich kann mir dann am Ende eine vernünftige GPS-Uhr kaufen und ein grottiges Webportal mit nicht bekanntem Sicherheitsrisiko nutzen, oder ich nutze ein etwas professioneller betriebenes Portal, kann es aber nur mit (noch) überteuerter Billigsthardware nutzen und komme meine Daten nie wieder irgendwoanders hinbekommen.

Eigentlich wäre es toll, wenn ich alle meine Aktivitätsdaten auf meinem Rechner/NAS ablegen und nach Belieben zu einem Dienst exportieren oder ein beliebiges Programm importieren kann.

Ich fürchte aber, dieses Leben wir das nichts mehr.


Rezept und Idee: Pia Drießen ⋅ Ausführung: Papa und Tochter

Immer weniger aktive Nutzer bei Facebook

Ich fürchte, meine damalige Prognose von 5 Jahren ist nicht mehr ganz im Plan, aber die Tendenz stimmt.

Die Vorratsdaten­speicherung wird den Kindesmissbrauch nicht verhindern

Nochmal zum Mitmeißeln: Wenn der Kindesmissbrauch in irgendwelchen Datenspeicherungssystemen aufschlägt ist es bereits zu spät. Aber Präventionsangeboten und Therapiemaßnahmen für Pädophile werden immer weiter die Mittel gekürzt. Hier wird ein Überwachungsstaat auf dem Rücken von Opfern aufgebaut.

Papierkalender, Runde 2

Ich habe Anfang 2014 einen Papierkalender gekauft. Einen Roterfaden Taschenbegleiter. Mein Plan war, ein bisschen wegzukommen von dem ständigen Tippen, nach dem man nichts in der Hand hat und eine Terminverwaltung außerhalb jeglicher Telefone zu haben. Mein Ziel: Entschleunigung, Entkopplung, Haptik.

Der Kalender

Ich habe mich für einen Taschenbegleiter A5 mit 3 Clips entschieden. Außen schwarzes Leder, innen graues Velourleder, mit der Taschenkombi 4. Nicht ganz billig, aber es hilft einem am Ende ungemein, nicht doch wieder das 4€-Heft wegzuwerfen, sondern dran zu bleiben an seinem Vorhaben.

A5 musste es sein, weil ich es drauf angelegt hatte, wenn, dann auch alles da reinschreiben zu können. Das geht mit A6 nicht so einfach und so kann ich auch bequem etwas größere Skizzen oder Wireframes beim Kunden malen und muss nicht alle 2 Striche umblättern.

Ich würde den Taschenbegleiter auch wieder kaufen, dann allerdings mit Filz-Innenfutter, das ist stabiler als das Velour, welches auch mit der Zeit meine Visitenkarten einfärbt. Aber: Ich habe nun immer Visitenkarten dabei.

Ich schwankte anfangs zwischen dem X17-System mit Gummis, habe mich dann aber schlussendlich für den Taschenbegleiter entschieden, weil ich gerne alle Möglichkeiten offen habe, auch andere Einlagen zu verwenden, was meines Wissens bei keinem anderen Hersteller geht, auch X17 hat eigene Formate. Sowas mag ich nicht.

Einlagen

Mein Kalender in der Fassung von Januar 2014

Erster Schritt war, außer dem Kalender auch noch Notizbücher einzulegen. Ursprünglich wollte ich ein punktiertes Muster, bin dann aber im ersten Schritt bei einem komplett leeren Buch gelandet, welches aber auf Dauer zu groß war. Nun habe ich ein kleines Buch mit Lineatur von IKEA eingelegt, welches etwas niedriger als A5 ist, wodurch mein Stift auch besser reinpasst.

Außerdem befindet sich noch ein kariertes A5-Schulheft im 3. Clip.

Ansonsten befinden sich noch Einlage-Klarsicht-Hüllen im Begleiter, in die ich kleinere Papiere reinstecke, z.B. Kassenzettel o.ä.

Stift(e)

Ich habe nicht sonderlich viel Lust, immer jede Menge Stifte mitzuschleppen, brauche aber hin und wieder auch andere Farben um wichtigere Dinge anders zu markieren. Ein bisschen Recherche ergab, dass es einen Stift von BIC (“Grip Pro”) gibt, der 4 Farben hat, einigermaßen preiswert ist und gut schreibt. 13€ für 6 Stifte. Meine Frau hat mich erst für nicht ganz dicht erklärt, war dann aber die erste, die einen der Stifte beansprucht hat.

Reaktionen

Ich wurde von ca. allen Menschen aus meinem direkten Umfeld etwas komisch angeschaut, als ich, der Technikfreak, plötzlich einen Papierkalender auspackte. Mittlerweile hat sich das gelegt.

Zwischendrin wurde ich auch schon verwundert angeschaut, als ich den Kalender auspackte: “Aber Du hast doch ein Smartphone…”. Hab ich auch. Aber das weiß nun langsam mal genug über mich. Ja, ein kleiner Paranoia-Anfall war auch mit Grund dafür.

Wie geht es weiter?

Ich werde auch 2015 meinen Kalender fleißig weiternutzen. Ich habe mich grob an das Bullet Journaling gewöhnt, auch wenn ich meinen eigentlichen Kalender und die Notitzen getrennt halte. Damit habe ich Projekte in ein Projekt-Buch und alles was nur zeitabhängig ist (private ToDos etc.) landet in meinem Kalender. Ich verwende dazu übrigens den Roterfaden-Einsatz mit dem Layout 1.


 

Disclaimer: Keine der hier genannten Firmen bezahlt mir was dafür, ich bekomme keine Provisionen für Links oder Verkäufe.

Ich bleibe dann doch lieber bei IKEA

Nachdem ich nun bei Aldi zwei Regale der Firma trendteam gekauft habe, bleibe ich – trotz “Service-Adresse” – dabei, dass ich Pressspanmöbel dann lieber bei IKEA kaufe. Schreinern lassen oder selbst machen fällt aufgrund von Geld- bzw. Zeit- und Skill-Mangel leider aus.

Update: Ich bekomme Bauteile im Rahmen der Garantie ersetzt. Fun-Fact: Hätte man die Anleitung einfacher gemacht, wäre das nicht nötig gewesen. Und ich behaupte mal, dass ich sowas eigentlich ganz gut hinbekomme.

2014

Ich werde diesem Jahr kaum eine Träne nachweinen. Kleine Ziele erreicht, ja. Wichtige Ziele auch. Persönliche Rückschläge ab der Jahresmitte. Einen der wichtigsten Menschen in meinem, unserem Leben verloren. Ja, es gab so viele kleine, schöne Momente in diesem Jahr. Aber so etwas wie die zweite Jahreshälfte will ich nicht so schnell nochmal erleben.

Meine Lehre daraus: Familienzeit ist das wichtigste. Die bekommt man nicht mehr zurück. Und an der Stelle dann auch keine zweite Chance mehr.

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