Der beste Jahresrückblick aller Zeiten

  1. Krank gewesen
  2. Auto-Führerschein gemacht
  3. Umgezogen
  4. Bundestagswahlkampf gemacht
  5. Viel Streß mit Arbeit gehabt
  6. Motorradführerschein gemacht

Insgesamt war’s ein sehr bewegtes Jahr, mal scheiße, mal saugeil aber im Prinzip sehr schön.

 

Die Welt läuft Amok

So langsam bekomme ich das Gefühl, dass Amokläufe und Schießereien zum Trend auf der ganzen Welt werden. Winnenden, Landshut, Eislingen, alle in den letzten paar Wochen – allein in Deutschland.

Das sind alleine acht Fälle innerhalb von eines Monats. Interessant ist dabei auch, dass Gewalttaten bei Demonstrationen zwar insgesamt abnehmen, dafür die wenigen die sinkende Quantität qualitativ ausgleichen wollen. So haben bei den relativ friedlichen Nato-Protesten einige Mitglieder des schwarzen Blocks ein Hotel in Brand gesteckt.

In England wird ein Unbeteiligter von einem Polizisten angegriffen. Er stirbt in Folge eines Herzkollaps kurz danach. Es gibt auch noch ein zweites Video.

Beim Freitag gibt es einen übersetzten Artikel von Jeremy Seabrook unter dem Titel “Sehnsucht nach Freiheit“, der Originalartikel ist unter dem Titel “G20: The protests herald liberation” beim Guardian erschienen. Und ich sage euch: Der Mann hat recht. Was wir jetzt in den Nachrichten sehen ist nur der Anfang.

Solange Wirtschaft und Politik weiterhin dermaßen verzahnt in die eigenen Taschen wirtschaften und das Volk hilflos zusehen muss, staut sich eine Agression in den Bürgern des Landes und der Länder auf, und sie wird sich auch irgendwann entladen. In Frankreich werden Manager und Firmenbesitzer gekidnapped, um die Löhne zu erhöhen, hierzulande wurde die Bahn schon lahmgelegt.

Wenn das ganze so weitergeht, wird Artikel 20 des Grundgesetzes wohl von zukünftigen Generationen etwas anders interpretiert werden müssen.

 

Klare Worte

Sehr gut zusammengestellte Überlegungen zum Thema “school shootings”, Jugend, Gewalt, Jugendgewalt und Parallelwelten. Danke.

Im Übrigen darf man erwähnen, dass Björn da nicht der einzige ist, auch wenn es so scheinen mag. Bei der “Muschelschubserin” gibts da auch was nettes zum Thema Jugendzeiten scheinbar behüteter Kinder.

Und bei Fefe bin ich über eine Grafik gestolptert, die die Statistiken zum Thema “Verbrechensrate pro Bürger” des “Bureau of Justice” in einen Graphen packt und diesen mit den Erscheinungsdaten markanter Meilensteine der Egoshooter und anderer “Killerspiele” verbindet.

***

Im übrigen spiele ich auch “Killerspiele” und höre Punk, Rock und Metal. Ich habe auch Tischtennis gespielt. Ich war immer der Kleinste in der Klasse und wurde deswegen gehänselt. Im Schulbus wurde ich von Zehntklässlern verprügelt und der Busfahrer hat nur zugeschaut, obwohl ich um Hilfe gerufen habe. In der Schule gab es Lehrer, die mir schlechte Noten gegeben haben, weil sie mich nicht leiden konnten. Ich habe schon Pornos gesehen. Ich habe schwarze Sicherheitsstiefel, einen schwarzen Mantel und eine schwarze Lederhose. Ich hatte auch schon eine Wasserpistole und eine Erbsenpistole deren Feder ich “getuned” hatte. Softair habe ich auch schon benutzt (und kleine Ziele getroffen). Ich bin viel (>4h/Tag) im Internet unterwegs.

Bin ich jetzt ein Amokkandidat?

Das soll in keiner Weise beschönigend oder verharmlosend sein, aber ich denke, die Gründe für solch eine Tat liegen vielleicht woanders als in “Internet”, “Killerspielen” und “Teufelsmusik”.

 

Fast Forward

Paula legte den Kopf in den Nacken und drückte auf Play. Schnelle Riffs und hämmernde Beats füllten ihre Gehörgange. Wie oft hatten Sie sich gestritten, Musik, Kunst, Literatur. Ihre Ansichten und seine gingen stark auseinander. Sie las gerne und viel, interessierte sich für Kunst und Musik. Er hingegen war das Gegenteil. Ein Klischee-Typ, Glatzenansatz, Bierbauch. Fußball und Autos bestimmten sein Leben.

Ihre Augen fielen zu. Die Klänge in ihren Ohren veränderten sich, wurden langsamer. Die elektrischen Gitarren wurden leiser und leiser, die Beats wurden schneller, änderten ihren Ton, sie klangen fast wie – wie hölzern.

Augen auf.

Einen Moment brauchten ihre Augen, um sich an die Helligkeit zu gewöhnen. Sie war geblendet. Wo war der Bus? Irritiert sah sie sich um. Um sie herum strahlende Sonne, grüne Wiesen und Bäume. Kein Bus um sie herum, kein Auto, keine Häuser. Nur sie und die Landschaft.

Sie war irritiert, blinzelte. Als ihre Augen sich wieder öffneten, saß sie wieder im Bus, die Ohren mit dröhnenden Drums und durcheinanderkreischenden Gitarren gefüllt. Sie sah die Landschaft vor dem Fenster an sich vorbeiziehen, Pfosten um Pfosten, Streifen um Streifen, vorbei an Wiesen, Feldern, Mauern, Kreuzungen, Gabelungen, Kühen, Fußgängern, Fahrrädern, Autos.

Dann sah sie die Scheinwerfer durch die Scheibe näherkommen. Schneller und schneller. Ein lautes Krachen, Stille. Um sie herum strahlende Sonne, grüne Wiesen und Bäume. In der Zeitung war die Rede von einem tragischen Unfall. Ein Busunglück mit einer Toten. Zusammengekauert sei auf ihrem Sitz gesessesn, die Kopfhörer auf den Ohren und ein Lächeln im Gesicht.

 

Blockwart Karl-Heinz schlägt wieder zu

Tja, was soll man da sagen? Wenn man um halb elf (22:30) einigermaßen geschafft vom Renovieren der neuen Wohnung zurückkommt, eigentlich nur noch kurz Duschen und dann ins Bett will, dann, ja, genau dann, kommt ein Mensch wie Blockwart Karl-Heinz.

Frau Schatz hattte aufgrund der Tatsache, dass Sie ja schon um halb fünf oder so schon aufstehen zur Arbeit fahren muss, etwas spätm (aber nicht zu spät) beschlossen, das Auto doch zumindest an der Frontscheibe abzudecken. Also das bereits geschlossene Auto wieder öffnen und die Abdeckung auf die Scheibe, Tür wieder schließen, alles in Butter.

Aber den Blockwart stört es ja, wenn er schläft, weshalb er seinen Kopf aus dem Wohnzimer(sic!) im Erdgeschoss streckt und uns anmotzt, das manche Leute hier schlafen wollen. Wie recht er hat. Soll er halt ins Schlafzimmer gehen.

Es gibt die eine oder andere Sache, die ich an diesem Haus und dieser Straße nicht vermissen werde. Dazu gehört Blockwart Karl-Heinz und auch andere Nachbarn, die manche Grenzen einfach nicht akzeptieren bzw. ignorieren (und ins Wohnzimmer gerannt kommen) oder mal eben durch die Terrassentür ins Haus stürmen. Gut gemeint oder nicht – es gehört sich nicht.

Bei Menschen wie dem Blockwart frage ich mich ehrlich, warum diese Menschen (noch) am Leben sind. Aber es muss scheinbar auch solche antidarwinistischen Beispiele geben, frei nach dem Motto “Ausnahmen bestätigen die Regel”.

 

Wissen 2.0 #2: Wikis

Ein Wiki ist prinzipiell eine Lose-Blatt-Sammlung an Informationen, die durch entsprechende Querreferenzen eine vernetzte Sammlung von Wissen ergibt.

Bestes Beispiel ist Wikipedia, eine freie Enzyklopädie auf Basis eines Wikis (mittlerweile durch mehr, für jede Sprache eine Instanz, die auch wieder untereinander vernetzt sind).

Während man früher immer sagte „Viele Köche verderben den Brei“ ist es heute in Mode (auch aufgrund des Erfolgs von Wikipedia) auf die so genannte „Schwarmintelligenz“ zu setzen. Allerings ist es keine neue Entdeckung, Texte kollaborativ zu erstellen, redigierien, ergänzen.

Neu ist auch in diesem Fall wieder die genutzte Technik, die das ganze Drumherum für den Benutzer vereinfacht, so dass er sich im Prinzip nur noch um den Transfer seines Wissens in die Textform kümmern muss. Andere kümmern sich um das Korrekturlesen, die Formatierungen und die Verlinkungen.

Möglich gemacht wird dies durch bestimmte (einfache) Regeln, die es beim Editieren einzuhalten gilt, so kann innerhalb von kurzer Zeit ein fertiger Artikel entstehen, ohne dass größere Konflikte beim Speichern zu erwarten sind. Diese werden duch die verwendete Software entweder verhindert (Document Locking) oder behoben (automatisiertes diff und merge soweit möglich).

Der Hinweis auf die Vorgänge “diff”  und “merge” zeigt schon, warum bzw. wie das Prinzip Wikipedia mittels der MediaWiki-Software funktioniert: man führt ein Versionskontrollsystem für den Artikel (Quelltext) ein. Dieses Prinzip funktioniert bei verteilter Softwareentwicklung mittels CVS und SVN sehr gut, hier wird es für einen Artikeltext eingesetzt.

Womit wir wieder bei alten/bewährten Techniken in neuem Kontext wären.

 

Wissen 2.0 #1: Tags

Wie organisieren wir Informationen im Web 2.0

Mit dem „Web 2.0“ wurden viele altbekannte Techniken erst richtig bekannt, andere Techniken wurden neu entwickelt. Dabei beschränken sich Neuentwicklungen meistens auf die technischen Aspekte, mit denen altbekannte Techniken zu neuem Leben erweckt wurden.

Tags

Tagging an sich ist nichts Neues. Der Name ist aus dem englischen übernommen worden, die Verschlagwortung gibt es schon immer. Im Prinzip ist das „tagging“ nichts anderes als eine Schnittmenge einer Volltextsuche.

Stehen die richtigen Begriffe auch in einem Volltext, ist das Tagging an sich für das Auffinden von Inhalten eher untergeordnet. Eigentlich reicht es auch schon, dass in einem Text zu dem normalen Text ein Abschnitt mit möglichen Suchwörtern eingefügt wird, das wäre die rudimentärste Form.

Tagwolken

Tagwolke auf campino2k.deEines der besten Beispiele für die Verwendung von neuen Technologien mit bewährten Techniken sind die so genannten „Tagwolken“. Durch eine definierte Syntax der Tags wird eine extraktion der Tags aus einem Text, Posting oder Artikel vorgenommen.

In den meisten Systemen werden die Tags getrennt vom eigentlichen Beitrag eingetragen, wie zum Beispiel bei WordPress.

Durch eine eindeutige Extraktion ist es möglich, die Anzahl der Tags (unique) und die Anzahl der Vergabe eines unique-Tags zu zählen und in Relation zu setzen. Dadurch kann eine Gewichtung der Schlagworte vorgenommen werden.

Die Darstellungsweise dafür ist vielfältig, eine geordnete Liste nach Anzahl der Vergaben ist ebenso möglich, die die (sehr beliebte) Darstellung einer so genannten „Tagwolke“. Diese ordnet die vergebenen Schlagwörter im Fall von Wordpress alphabetisch und gewichtet die Häufigkeit eines Schlagworts mit der Größe der Schrift.

Wie man also an der Abbildung der Wolke meines Blogs sehen kann, liegen bei mir die Themen Fotografie, Internet und Linux relativ weit vorne in der Beitragsanzahl.

 

Neuer Personalausweis (Symbolbild)

Perso (Symbolbild)

Tja, mein neuer Perso ist da. Mit einem Bild, dass ich lieber nicht darauf gehabt hätte. In Ermangelung eines passenden Passbildes in Machart eines Proträtfoto, bin ich mit einem Bild, dass in Zukunft auch auf meinem Führerschein zu sehen sein wird, abgelichtet.

Ich bin zur Ausweisstelle mit zwei Bildern gegangen: dem hässlichen biometrischen und dem hässlichen Porträtfoto, dass von den aktuellen noch das geeignetste war – die Wahl zwischen Pest und Cholera. Und selbst auf diesem geeigneteren Bild sah ich aus wie ein kleiner Bruder eines kleinen Türkischen Barbiers. Was nun bei mir völlig daneben ist.

Wobei das biometrische Bild nicht viel besser war. Eine Frontalaufnahme mit diesem “Gestaltungsraster” ist nun mal nix schönes, für die nächsten 10 Jahre allerdings auf dem Perso und den Rest des Lebens auf dem “Lappen”. Verdammt. Aber ich hätte das andere Bild im Nachhinein auch nicht mehr gewollt.

Und wenn ich bei Heise gerade einen Artikel über den elektronischen Personalausweis lese, dann bin ich schlussendlich doch ein bisschen froh, dass mir das Thema die nächsten 10 Jahre erspart bleibt. Lieber ein hässliches Bild, dass in der Tasche bleibt, als eins, dass jeder Depp von außen lesen kann.

 

Der Blockwart

Es ist ja nichts neues, das alte Menschen häufiger am Fenster sitzen und die Leute auf der anderen Seite beobachten. Die gründe davon habe ich mal (mit dem Rest des Kurses) in einer Ethikstunde erörtert.

Als Hauptursache haben wird damals die Einsamkeit, die ältere Menschen häufig empfinden, vermutet.

Einer dieser Fensterspanner wohnt ein paar Häuser weiter. Er schaut in die Briefkästen der Leute in der Straße (alles Einfamilienäuser, keine Wohnblocks), als müsse er über Recht und Ordnung waren, er spioniert den Leuten hinterher, wenn Sie auf der Straße laufen.

Den Hammer schlechthin hat er aber aber vorhin gebracht, der Möchtegern-Blockwart: Meine Freundin und ich waren gezwungen, mit einem Teil ihres Autos vor seiner Doppelhaushäfte zu parken. Der Blockwart stand beim ersten Erklingen des relativ leisen Motors (vermutlich als wir in die Straße einbogen) schon am Fenster und beobachtete die Straße.

Als die Hinterränder meiner Freundin vor seinem Haus standen, konnte er trotz seines scheinbar schlechten Augenlichtes seine Neugier hinterm Vorhang nicht mehr verbergen: er leuchtete ihr mit seiner Taschenlampe ganz unauffällig direkt ins Gesicht.

Ich frage mich ehrlich, was solche Menschen antreibt. Einsamkeit kann es zumindest bei ihm nicht sein. Seine Frau lebt noch, er ist in den Dorfvereinen gut integriert (auch wenn ihn nicht alle so gut leiden können, wie er denkt) und hat viele “Kumpels” hier. Vielleicht liegt es ja an seiner Tochter, die sich, sobald sie konnte, von ihm distanziert hat, innerlich als auch örtlich. Sie ist in die Schweiz ausgewandert und hat kaum noch Kontakt zu ihren Eltern. Für mich verständlich. Für ihn vielleicht der mentale Todesstoß.

Auch wenn er dabei weniger unschuldig ist, als er von sich denkt. Aber Selbsterkenntnis ist nicht jedermanns Sache. Vor allem nicht bei Blockwarten.

 

Von EuroVideo zu Saturn – Dritter und letzter Akt

1. Aufzug: LGS Hanau, 3 Schüler, 1 Telefon

Ein Klassenkamerad war so freundlich und hat mir für den dritten Anruf sein Handy geliehen, in Erwartung eines längeren Gesprächs mit dem zuständigen Produktmanager von EuroVideo erschien es mir angebracht, eine möglichst günstige TK-Lösung zu finden. Base ist da ganz gut geeignet.

Freundlich war er ja, der Herr Knebel am Telefon, ich vielleicht nicht ganz so, was mir aber eigentlich ziemlich egal war. Schließlich habe ich bezahlt und die haben – mit Verlaub – Scheisse gebaut. Prinzipiell, wurde mir bestätigt, habe ich ja Recht, man schädige den zahlenden Kunden und so weiter und so fort. Aber man müsse das ja auch so sehen, man versuche ja nur, es den Piraten nicht so einfach zumachen und habe im Kopierschutz darauf geachtet, keine “nicht lizensierten” Abspielprogramme zuzulassen. LinDVD mache im Gegensatz zu VLC da überhautpt keine Probleme, dafür könnte es aber ja auch keinen Stream auf die Platte schreiben. Gut, wieder was über den VLC gelernt.

Die Argumentation, mit einer Kopie (Haha, Kopierschutz, am Arsch… A**DVD kann den knacken, sagt Tante Google und das Sly****-Forum) oder einem aus einer x-beliebigen Tauschbörse hätten die kein Geld verdient, ich aber keine Abspielprobleme blieb im großen und ganzen unwiedersprochen.

Er hat dann auch bedauert, dass ich den Film zurückgeben wolle, beteuerte aber, dass das kein Problem sei, auch wenn der Film offen war, wenn ich dem entsprechenden Händler erklären würde, dass ich den Film nicht abspielen könne. Auf diese Problemlosigkeit hatte ich mich schon gefreut, hatte meine Freundin den Film doch im nahen Saturn-Markt gekauft.

Abtritt Telefonat, Schüler. Ein leerer Klassenraum bleibt zurück.

2. Aufzug: Saturn Hanau, Auftritt Kunde

Wie man das so macht, beim Saturn, beim Empfangschef (Anti-Diebstahls-und-mitgebrachte-Waren-Erfassungs-Beauftrager) die DVD zeigen, sich einen Zettel ausfüllen lassen, dass das die eigene ist und sich ein “Bitte direkt in die CD-Abteilung” anhören.

Den Azubi hab ich wohl beim Kunden ignorieren gestört, die übersprudelnde Freude, jemand zum Reden gefunden zu haben, war ihm kein bisschen anzusehen, vielleicht war er auch stumm oder hatte Mundgeruch, der ihn vom Reden abhielt, auf jeden Fall war er ziemlich wortkarg und – wie sich herausstellen sollte – auch nicht gerade der hellste.

Die Worte “Ich möchte diesen Film zurückgeben hat er gerade noch so erfassen können, ein leises “Warum denn?” verließ seine Lippen. Ich habe ihm erklärt, dass der Kopierschutz in meinem Fall auch als Abspielschutz fungiert, mein Linux-System könne den Film nicht abspielen, der Kopierschutz sei schuld, ich will (ich mochte nicht mehr, ich wollte!) den Film zurückgeben. “Repetition works, Dave, repetiton works, Dave!”

Er macht die Hülle auf, guckt die DVD an und meint: “Klar, sind so komische Wellen drauf.” Die Träge Masse, deren organische CPU in etwa die Dichte eines Schokoladenhasen hatte, setzte sich in Bewegung, verschwand für einen Augenblick und kam wieder. In der Hand -

eine versiegelte Kopie des Films, die er mir auf den Tisch legte und “Bitteschön” sagte. Wohlerzogen, immerhin dachte meine Halsschlagader mit gefühltem 230er Puls.

“Passen Sie auf. Wenn ich diesen Film jetzt mitnehme, stehe ich morgen mit dem Film wieder hier. Der Kopierschutz verhindert auf meinem “Media Center PC” (begrifflich übertrieben aber faktisch richtig) auf Linuxbais nicht nur das kopieren, sondern auch gleich das abspielen. Das ist ist ein Fehler, der in allen DVDs, die sie von diesem Film haben drin ist.” Kurz vorm explodieren erklärte ich dann in einer fast schon zu ruhigen Stimme, eindringlich, leise, zum mitschreiben, er könne gerne die Nummer vom Herrn Knebel, dem Produktmanager bei EuroVideo von mir bekommen, von dem könnte er sich das noch mal erklären lassen und dass entsprechender Produktmanager eben auch meinte, ich könne die DVD zurückgeben. Ich habe ihm auch angedroht, mein Notebook (gleiches System, gleiches Problem) und meine ~300 ORIGINAL-DVDs mitzubringen um ihn davon zu überzeugen, dass es nicht an mir liegt.

Zurückgeben, dass ist für mich das, wo man die Ware ins Geschäft bringt und sein Geld wiederbekommt. Nee, das ginge ja gar nicht, ich könne mir eine Gutschrift geben lassen und ne andere DVD mitnehmen. Und was dem Herrn denn einfiele, zu behaupten, ich könne das zurückgeben und die wäre ja offen. Guter Versuch, Schokohasi – woher soll ich denn sonst wissen, dass der Film sich nicht abspielen lässt?

Ich hatte mich schon auf Vorgesetztengespräche, ein bisschen Theatralik, zorniges Wüten, Androhung von Hausverbot etc. und einen Hinweis auf das Gebiet von Sachmängeln im BGB, Nacherfüllung, Schadensersatz u.a. eingestellt, da knickte der junge Kerl fast schon zusammen. Aber das gehe ja eigentlich nicht, dass man sein Geld zurückbekomme, und das wäre eine große und einmalige Ausnahme und überhaupt.

Endlich hatte er den Zettel ausgedruckt, den ich dann mit einem schnippigen “Danke” entgegennahm und mich damit auf den Weg zur Kasse machte, bevor er sich die Sache vielleicht nochmal anders überlegen konnte.

Und das alles, weil irgendwelche Kopierschutzsysteme die Raubmord-Nazi-Kinderschänder-Terroristen-Kopierer eben nicht abhalten.

Den juckt das alles nämlich kein bisschen: Der hat sich Nero aus dem Netz runtergeladen und gecrackt, dazu noch die neueste A**DVD-Software, die natürlich innerhalb von zwei Wochen jeden erdenklichen DVD-Kopierschutz knackt, natürlich gecrackt. Und damit brennen die dann die DVD um. Die hat dann keinen Kopierschutz mehr, keine Raubkopierer-sind-Verbrecher- und auch keine Werbespots. Zusätzlich wird das dann in hoher Qualität in DivX oder xviD gerippt und in die Taschbörsen gestellt. Kostenlos, problemlos.

Liebe Filmindustrie, das ist Service. Für alle, die sich nicht darum scheren, ob sie damit Gesetze brechen oder den Filmschaffenden schaden. Und selbst wenn ihr einen unknackbaren Kopierschutz erfinden lassen würdet, diese Leute sind nicht eure Zielgruppe. Die kaufen nichts, gar nichts. Nicht mal die Software, mit der sie ihren Krempel kopieren.

Für den ehrlichen Kunden ist es ein Trauerspiel und es wird nicht besser.

Abtritt alle.

 
 
 
 

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Hier schreibt Christian Jung über Webdesign, Web 2.0, Internetrechtsprechung, Linux, Fotografie.

Dazu kommen bunt gemischte Texte und was ihm sonst noch so in den Sinn kommt.

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