drei – Das Treffen

Das Treppenhaus sah ordentlich aus, selten für diese Gegend, aber ein stechender Geruch zog hindurch. Einen Keller schien es nicht zu geben, also ging ich die Treppe hinauf. Im dritten Stock fand ich eine in einen schwarzen Mantel gehüllte, zusammengekauerte Gestalt.

“Eva?”, flüsterte ich beinahe. Die Gestalt zog vorsichtig die Kapuze ein wenig nach oben und musterte mich argwöhnisch. “Sie haben mich angerufen”, sagte ich. Eva zog die Kapuze herunter. Sie hatte lange schwarze Haare und dunkelgrüne Augen und war etwa mitte zwanzig. Wäre sie nicht eine Kundin, hätte ich mich sofort in sie verliebt.

1. Regel: Fange niemals etwas mit einer Kundin an!

Schade eigentlich, sie machte einen sehr sympathischen Eindruck, aber Sicherheit geht vor. Meine Kunden haben Probleme, tief sitzende psychische Probleme, davon war ich überzeugt – jedenfalls hatte mein Lehrer mir das beigebracht bevor er die erste Regel verletzte und aus dem Geschäft ausstieg. Das war vor zwei Jahren gewesen, vor einem Jahr fand man seine Frau, eine seiner ehemaligen Kundinnen, mit einem Messer in der Hand neben seiner Leiche. Man hatte sie auf einem Überwachungsvideo aufgenommen, als sie mit geschlossenen Augen und hassverzerrtem Gesicht immer wieder auf ihn einstach. Doch sein Tod – und das damit verbundene Video hatten auch etwas gutes. Unser Beruf wurde als legaler Beruf anerkannt, wir mussten nicht mehr im Untergrund arbeiten.

Eva schien das nicht zu wissen oder sie schämte sich, ich weiß es nicht. Jedenfalls machte sie ein riesengroßes Geheimnis aus unserem Treffen, hatte alles Mögliche getan, damit mich niemand verfolgen konnte. Wozu das Ganze?

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