Die Nichtexistenz der Gegenwart

Vorwort

Warum ausgerechnet so was philosophisches? Bestimmt nicht weil ich in Ethik so gut war. Nein, einfach aus Spaß am Denken. Eine Überlegung die mir so einfach mal irgendwann durch den Kopf geschossen ist. „Die Gegenwart kann gar nicht existieren!“

Begriffsklärungen

Bevor ich damit beginne, haarsträubende Theorien aus dem Ärmel zu schütteln, vorab eine kleine Begriffsklärung und ein paar einleitende Worte zum Thema.

Vergangenheit ist die Zeit vor der Gegenwart

Gegenwart ist das zeitliche Jetzt (zwischen Vergangenheit und Zukunft) sowie das räumliche Hier. Sie setzt ein Subjekt voraus, das bestimmte Raum-Zeit-Koordinaten als seine Gegenwart und Personen und Objekte darin als gegenwärtig wahrnimmt und definiert. Der Zeitrahmen der Gegenwart beträgt psychologisch betrachtet circa 3 Sekunden. 1

Zukunft ist die Zeit nach der Gegenwart.

Unter der Gegenwart versteht man häufig eine größere Zeitspanne die von einer Sekunde bis zu einem Jahrzehnt ausgelegt werden kann. Synonym zum Begriff der Gegenwart wird auch „zeitgenössisch“ verwendet. Dieses ist besonders im Bereich Kunst und Kultur gebräuchlich. Die Literatur der Gegenwart ist auch „zeitgenössische Literatur“.

Allerdings soll es in dieser Abhandlung nicht um diese Interpretation der Gegenwart gehen, sondern um die die eigentliche Bedeutung der Gegenwart:

die Gegenwart als kleinster Punkt der Zeit.

von der Mathematik…

Die absolute, wahre und mathematische Zeit verfließt an sich
und vermöge ihrer Natur gleichförmig und ohne Beziehung
auf irgendeinen äußeren Gegenstand.“

-Isaac Newton, 1687

Die Zeit wird im allgemeinen als eine lineare Funktion betrachtet. Sie beschreibt eine gleichförmige Bewegung. Sie ist die Grundlage für Geschwindigkeitsrechnungen jeglicher Art. Ob es um atomaren Zerfall oder die Geschwindigkeitsmessung im Auto geht, ohne eine konstante Richtgröße wäre nicht von alledem berechenbar.

Eine lineare Funktion lässt es zu, an einer beliebigen Stelle eine Tangentensteigung zu ermitteln, das heisst, rechnerisch zu bestimmen, „in welche Richtung der Punkt zeigt“. Dass dieses zwar rechnerisch möglich, aber rational gesehen einfach eine Unmöglichkeit darstellt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass in diesem einen Punkt, betrachtet man ihn losgelöst von seiner Funktion – und das tut man bei der Differenzierung – keine Information über seine Richtung vorliegen kann. Es gibt keine.

Nun mag jemand, der im Unterricht aufgepasst hat, sagen: „Aber es wurde uns doch erklärt: Die Steigungswerte resultieren aus der Annäherung zweier unwahrscheinlich dicht nebeneinanderliegenden Punkte auf dem Graphen“. Sicherlich richtig. Aber bildet man den Wert der Steigungsfunktion an einem beliebigen Punkt x des Ursprungsgraphen, existieren keine zwei angenäherten Punkte. Die geführte (und bewiesene) Rechenoperation ist haltlos – ein durch und durch theoretisch ermittelter Wert.

…zur Zeit

q.e.d.

1Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gegenwart

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und warum betrachtest du den Punkt losgelöst von der Funktion? Das ist doch Quatsch, das würde doch bedeuten, dass die Gegenwart nicht als Element der Zeit angesehen werden kann. Aber das tut sie doch, die Gegenwart ist Element der Zeit (ist ja zwischen Vergangenheit und Zukunft). Und das wiederrum betrachtet ergäbe, dass es einen Wert der Ableitung gibt.

    Ansonsten könnte man das ganze ja auch auf die Vergangenheit übertragen, etwa den Ausbruch des zweiten Weltkriegs: Losgelöst von der Funktion der Zeit betrachtet, gibt es dabei auch nur die null als Ableitung, also hätte es den Weltkrieg nicht gegeben.

  2. Du solltest als Ausgangspunkt deines “Beweises” meiner Meinung nach nicht unbedingt bei Newton beginnen, denn es gibt genuegend aktuellere Theorien in der Physik, die ein ganz anderes Verständnis von Zeit benötigen. Dass Newton mit seinen Thesen nur teilweise Recht hatte, ist nämlich allgemein bekannt.

    Nach deiner Argumentation existiert außerdem niemals eine Ableitung an einem Punkt einer Funktion. Wenn du dich intensiver mit der Defintion einer Ableitung befasst, wirst du feststellen, dass eine Ableitung aber immer nur an einem bestimmten Punkt definiert ist. Zum einen müssest du dich dafür genauer mit dem Unterschied zwischen Differentiation und Differenzenquotient befassen.

    Der Teufel steckt hier allerdings im Detail, deswegen sind deinen Schlussfolgerungen auch falsch (und das nicht nur wegen deines falschen Ausgangspunktes).