Kurzgeschichte: Point Of No Return

Der Lautsprecher verzerrt die Stimme, die mir sagt, wohin ich fahre, aber es ist wohl auch egal. So egal, wie es ist, wo ich hinfahre. Hauptsache mit möglichst vielen Menschen unterwegs, nicht alleine sein.

Schilder, Menschen, Bahnhöfe, Züge. Das Land zieht an mir vorbei, als säße ich auf einem Floß, das auf einen Wasserfall zusteuert, beschleunigt, alles hinter sich lässt.

Das sein auf die Gegenwart reduzieren, Vergangenheit vergessen, Zukunft ignorieren.

Egal, alles egal. Ich weiß, sie warten auf mich, haben ein Fest vorbereitet, nur für mich.

Mein Gürtel drückt, ich rücke ihn zurecht. Etwas unterhalb der Brust, über dem Zwerchfell.

In der Reihe vor mir sitzt eine Familie. Vater, Mutter, zwei kleine Kinder, sie sind keine 13. Ihr fröhliches Lachen heitert mich auf, ich weiß, es geht ihnen gut.

Eines von ihnen steckt den Kopf zwischen den Stangen hindurch und grinst mich an. Es streckt mir noch die Zunge raus, ich grinse zurück und strecke ihm ebenfalls die Zunge raus. Es hat mit einem grinsenden, die Zunge herausstreckenden Erwachsenen wohl nicht gerechnet, die Mutter wollte es gerade auf die Bedeutung des Wortes “Sitz” hinweisen, da saß es schon.

Die Fahrscheine. Ein älterer Herr in Uniform verlangte, meinen Fahrschein zu sehen, blickte kurz darauf und knipste ihn ab.

Als ob das noch einen Sinn hatte.

Die Macht des Gürtels brannte mir auf Brust, Bauch und Rücken, fast schon unangenehm.

Ich beschloss, das es dieser Zug sein würde, der sein Ziel nicht erreicht.

Ein kurzer Druck auf den kleinen Knopf in meiner Tasche. Point of no return, kein zurück.

Ein ohrenbetäubender Lärm. Stille.

Von schwarz auf weiß überblendet.

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