EDV-Kompetenz im DOD möglicherweise nicht vorhanden

Das Pentagon, Sitz des DOD (Quelle: Wikipedia, public domain)

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums hat noch einmal die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente auf Wikileaks verurteilt. Gleichzeitig forderte er die Rückgabe der Dokumente, deren Löschung von der Wikileaks-Website sowie von allen Computern und Datenträgern der Organisation.

Golem


Obnoxious Pentagon spokesperson issues formal threat against WikiLeaks: Destroy everything, or else http://cs.pn/aOxf0Y

Wikileaks


Gut. Das DOD weiss also scheinbar nicht, dass man Daten nicht stehlen (und damit also auch nicht „zurückgeben“) kann. Hier liegt also mindestens ein „bad wording“ vor, vielleicht sogar Absicht, mit dem das DOD allerdings nicht wirklich kompetenter erscheint.Vor allem würde das „zurückgeben“ nicht funktionieren: Die Daten sind längst bei großen Verlagshäusern angekommen und liegen in dezentralen P2P-Netzen auf Millionen anderer Rechner herum, welchen Unterschied macht es da, wenn ein einzelner „Node“ im System heruntergefahren wird? Die dezentralen Netze wurden doch genau dafür geschaffen. Das sollte das DOD selber wissen, ist die ARPA, die das ARPAnet, den Prototypen des Internet erfunden hat, doch eine Behörde des DOD.

Vermutlich hat das DOD die entsprechenden Daten außerdem noch, warum sollte man sie dann eigentlich zurückgeben? Zur Kontrolle, was Wikileaks wirklich weiß? Und wer überwacht die Löschungsaktion, um sicherzugehen? Dazu kommt die Aussage, dass Wikileaks die Daten dem DOD nie vorgelegt hat, was ich durchaus verstehen kann. Wer nicht? Aber das wird hier in einer Weise dargestellt, als wäre es üblich, wenn man (offensichtlich illegal) Daten bekommt und veröffentlicht, vorher den Urheber der Daten fragt, was man davon veröffentlichen darf.

Illegal hin, illegal her, von einem öffentlichen Interesse sind diese Dokumente auf jeden Fall, da sie dokumentieren, welche Dinge hier eine Regierung im Hintergrund so treibt. Ebensolches Interesse des Steuerzahlers bestand auch bei der Veröffentlichung der TollCollect-Verträge hier in Deutschland, auch wenn es dabei nur um Geld und nicht um Kriegseinsätze ging. Und eins ist doch offensichtlich: niemand bringt Menschenleben mehr in Gefahr als derjenige, der sie in den Krieg schickt.

Eventuell überlegt man sich ja demnächst Wikileaks wegen Urheberrechtsverletzung anzuklagen, wenn alles andere nicht funktioniert; das wäre fast schon wieder lustig. Denn so wie momentan hier in das FUD-Horn geblasen wird, was die „War Logs“ angeht, könnte man vermuten, das bei den Dokumenten brisantere Sachen dabei sind, als bisher veröffentlicht sind. Und das da gerade einigen Personen der Arsch grade mächtig auf Grundeis geht.

Momentan steht zwischen eventuellen Verhaftungen und/oder anderen Angriffen (welcher Art auch immer) auf die Betreiber von Wikileaks immer noch die ominöse 1,4 GB große „insurance“-Datei von der nicht bekannt ist, ob sie mehr „interessantes“ Material enthält oder nur ein großer Bluff ist.

Zuzutrauen wäre den Betreibern von Wikileaks, die eines der sichersten verteilten Netzwerke auffahren jedenfalls beides.