Bücher zusammengefasst: Blinkist

Die Zeit rennt uns davon wie der Sand durch eine Sanduhr. Soviel zu tun, so viel zu lesen, so viel Input. Und ich lese seit Monaten „1984“

Ich habe mich ehrlich gesagt nie wirklich mit scheinbarem Nonsens wie Kurzzusammenfassungen von Büchern beschäftigt und das ganze eher als „für Manager und Co.“ abgebügelt, wenn ich sowas sah. Entweder ich habe das ganze früher falsch eingeschätzt, die Dienste hatten andere Schwerpunkte „mitreden können ohne viel zu lesen“ und ganz günstig ist das für einen Schüler/Azubi (jaja, nicht die Zielgruppe) auch nicht.

Nun sind einige Jahre ins Land gegangen. Ich habe eine kleine Tochter, die mich in Atem hält, arbeite Vollzeit als Entwickler/Berater/Projektleiter, nebenbei mache ich kleinere Webprojekte. Ich habe genug zu tun und – wie schon oben angedeutet: in der Regel zu wenig Zeit für Fachliteratur.

Nun hat sich im Rahmen einer XING-Premiummitgliedschaft eine Möglichkeit aufgetan, den Dienst Blinkist mal wirklich zu testen und ich finde die Umsetzung durchaus brauchbar und den Dienst an sich sehr sympathisch.

Während ursprünglich nur iPhone-User in den Genuss kommen sollten, haben zahlreiche Anfragen dazu geführt, dass alle anderen sich auch auf der Blinkist-Website mit dem XING-Account connecten können, um das Jahr kostenlos zu bekommen. Damit ist der Dienst seinen (noch) potentiell zahlenden Kunden einen riesen Schritt entgegengekommen, auch ohne klaren ROI dafür. Im Sinne des Service ein riesengroßes Entgegenkommen. (Wenngleich das aus technischer Sicht so schwer nicht sein konnte. XING-Authentifizierung in der iOS App gab es schon und auf der Webseite war OAuth mit Facebook auch schon drin…)

Wie funktioniert Blinkist?

Screenshot: Blinkist Reader mit Navigation

Blinkist Reader mit ausgeklappter blink-Navigation

Man sucht sich ein Buch aus, bekommt einen groben Überblick über das Buch und kann direkt danach einzelne zusammenfassende Abschnitte lesen. Das funktioniert auf dem Smartphone auch mit Recht-Wischen und Links-Wischen. Man kann die Bücher auch in seine Bibliothek hinzufügen, dort gibt es auch eine Unterteilung „zu lesen“ und „gelesen“. Der Reader ist sehr übersichtlich, es gibt den Text, drei Navigations-Symbole auf der linken Seite und eine schmale Fortschrittsanzeige ganz unten.

Blinkist fasst Sachbücher in so genannten blinks zusammen, die man mal eben schnell lesen kann. Blinkist selbst schreibt dazu:

Wir haben Blinkist gegründet, um fundamental zu verändern, wie Menschen lesen und lernen. Wir glauben daran, dass großartiges Wissen jedem jederzeit zugänglich sein sollte – ganz egal, wie sein Alltag aussieht. Wie wir das möglich machen: indem wir aus den wichtigsten Sachbüchern – Klassikern wie Neuerscheinungen – die Kerngedanken herausarbeiten. Diese bringen wir in einem neuen Format auf den Punkt, das einfach zu lesen und für unterwegs gemacht ist: unseren blinks.

Ein blink ist ein kurzer Text, der den Kerngedanken eines Buchs zum Inhalt hat und in weniger als zwei Minuten gelesen werden kann. Fast jedes Buch lässt sich auf 8-12 dieser blinks verdichten. Mit ihnen kannst du immer, wenn du ein paar Minuten Zeit hast, etwas Neues lernen, und neue Bücher für dich entdecken. Unsere blinks sind so einfach und bildlich gehalten, dass du ihre Inhalte leicht aufnehmen und anwenden kannst.

In letzter Zeit habe ich generell den Eindruck, dass manche Dinge sehr unnötig aufgebläht werden, um wichtiger zu erscheinen. Hier finde ich sinnvolle Kurzfassungen und wenn mich ein Buch dann doch tiefer interessiert, kann ich es ja immer noch kaufen und lesen.

Was kann Blinkist noch besser machen?

Aus meiner Sicht ist das ganze Projekt schon sehr durchdacht und gut gemacht , lediglich ein paar UI/UX-Verbesserungsmöglichkeiten sind mir aufgefallen:

  • Anzeige des Fortschritts angefangener und noch nicht fertig durchgeblinkter Bücher in der Bibliothek
  • Im Buch: Bessere Sichtbarkeit des Fortschrittsbalkens (ein bisschen höher)
  • In den Kategorien: Bessere Filterung nach DE und EN-Literatur
  • In den Kategorien: Default-Ausblenden von Büchern, die man schon in der Bibliothek hat
  • In den Kategorien: Sortierfunktionen über Metadaten (z.B. Erscheinungsjahr des Buches, Erstellungsdatum der blinks, nach Autor, nach Alphabet)

Wer das ganze mal ausprobieren will, kann Blinkist mit dem folgenden Links testen:

  1. 17 Tage testen: Für Leser dieses Blogs gibt es von Blinkist 14 Tage extra Trial mit dem folgenden Link: https://www.blinkist.com/friends/?v=260f5f4
  2. 7 Tage testen: http://blinki.st/9af6b272e15b (damit bekomme ich auch 7 Tage Laufzeit extra gutgeschrieben)

Disclaimer: Ich bekomme von Blinkist kein Geld dafür, ich habe lediglich nach dem Schreiben des Artikels mal dort angefragt, ob es einen Referral-Code für Leser des Beitrags geben könnte.

Die Tote im Bett

Sie war ganz kalt. Eine kleine, kurze Weile dachte er sich nichts dabei, sie war ja immer so verfroren. Als er jedoch anfing, sie zu schütteln, um sie doch endlich zum Aufstehen zu bewegen, bewegte sie sich nicht mehr, als er sie bewegte. Auch der bei ihr übliche verschlafene Mix aus unwilligem Murren und Gähnen, dass insgesamt eher nach „Geh Weg“, als nach „Guten Morgen“ schrie, blieb aus.

Es kam ihm komisch vor. Er betrachtete sie genauer und stellte fest, dass ihre Lippen schon ganz blau angelaufen waren. Jede Hilfe kam zu spät – vermutlich war sie irgendwann in der Nacht still und leise verstorben. Gut für sie. Sie lag leise und ruhig da, ihr Gesicht war friedlich und entspannt.

Nachdem er sie wieder zugenäht hatte, rief er das Krankenhaus an, bestellte einen Krankenwagen. Als der Wagen mit Blaulicht und Sirene in die Straße einbog, saß er gerade in der Küche und rauchte eine Zigarette, neben ihm ein Glas mit Whiskey. Das Radio spielte „My Heart Will Go On“. Er lächelte, griff in seine Tasche und streichelte das Herz durch die Plastiktüte hindurch. Dann zog er die Wohnungstür hinter sich zu.

Die Welt läuft Amok

So langsam bekomme ich das Gefühl, dass Amokläufe und Schießereien zum Trend auf der ganzen Welt werden. Winnenden, Landshut, Eislingen, alle in den letzten paar Wochen – allein in Deutschland.

Das sind alleine acht Fälle innerhalb von eines Monats. Interessant ist dabei auch, dass Gewalttaten bei Demonstrationen zwar insgesamt abnehmen, dafür die wenigen die sinkende Quantität qualitativ ausgleichen wollen. So haben bei den relativ friedlichen Nato-Protesten einige Mitglieder des schwarzen Blocks ein Hotel in Brand gesteckt.

In England wird ein Unbeteiligter von einem Polizisten angegriffen. Er stirbt in Folge eines Herzkollaps kurz danach. Es gibt auch noch ein zweites Video.

Beim Freitag gibt es einen übersetzten Artikel von Jeremy Seabrook unter dem Titel „Sehnsucht nach Freiheit„, der Originalartikel ist unter dem Titel „G20: The protests herald liberation“ beim Guardian erschienen. Und ich sage euch: Der Mann hat recht. Was wir jetzt in den Nachrichten sehen ist nur der Anfang.

Solange Wirtschaft und Politik weiterhin dermaßen verzahnt in die eigenen Taschen wirtschaften und das Volk hilflos zusehen muss, staut sich eine Agression in den Bürgern des Landes und der Länder auf, und sie wird sich auch irgendwann entladen. In Frankreich werden Manager und Firmenbesitzer gekidnapped, um die Löhne zu erhöhen, hierzulande wurde die Bahn schon lahmgelegt.

Wenn das ganze so weitergeht, wird Artikel 20 des Grundgesetzes wohl von zukünftigen Generationen etwas anders interpretiert werden müssen.

Fast Forward

Paula legte den Kopf in den Nacken und drückte auf Play. Schnelle Riffs und hämmernde Beats füllten ihre Gehörgange. Wie oft hatten Sie sich gestritten, Musik, Kunst, Literatur. Ihre Ansichten und seine gingen stark auseinander. Sie las gerne und viel, interessierte sich für Kunst und Musik. Er hingegen war das Gegenteil. Ein Klischee-Typ, Glatzenansatz, Bierbauch. Fußball und Autos bestimmten sein Leben.

Ihre Augen fielen zu. Die Klänge in ihren Ohren veränderten sich, wurden langsamer. Die elektrischen Gitarren wurden leiser und leiser, die Beats wurden schneller, änderten ihren Ton, sie klangen fast wie – wie hölzern.

Augen auf.

Einen Moment brauchten ihre Augen, um sich an die Helligkeit zu gewöhnen. Sie war geblendet. Wo war der Bus? Irritiert sah sie sich um. Um sie herum strahlende Sonne, grüne Wiesen und Bäume. Kein Bus um sie herum, kein Auto, keine Häuser. Nur sie und die Landschaft.

Sie war irritiert, blinzelte. Als ihre Augen sich wieder öffneten, saß sie wieder im Bus, die Ohren mit dröhnenden Drums und durcheinanderkreischenden Gitarren gefüllt. Sie sah die Landschaft vor dem Fenster an sich vorbeiziehen, Pfosten um Pfosten, Streifen um Streifen, vorbei an Wiesen, Feldern, Mauern, Kreuzungen, Gabelungen, Kühen, Fußgängern, Fahrrädern, Autos.

Dann sah sie die Scheinwerfer durch die Scheibe näherkommen. Schneller und schneller. Ein lautes Krachen, Stille. Um sie herum strahlende Sonne, grüne Wiesen und Bäume. In der Zeitung war die Rede von einem tragischen Unfall. Ein Busunglück mit einer Toten. Zusammengekauert sei auf ihrem Sitz gesessesn, die Kopfhörer auf den Ohren und ein Lächeln im Gesicht.

Blockwart Karl-Heinz schlägt wieder zu

Tja, was soll man da sagen? Wenn man um halb elf (22:30) einigermaßen geschafft vom Renovieren der neuen Wohnung zurückkommt, eigentlich nur noch kurz Duschen und dann ins Bett will, dann, ja, genau dann, kommt ein Mensch wie Blockwart Karl-Heinz.

Frau Schatz hattte aufgrund der Tatsache, dass Sie ja schon um halb fünf oder so schon aufstehen zur Arbeit fahren muss, etwas spätm (aber nicht zu spät) beschlossen, das Auto doch zumindest an der Frontscheibe abzudecken. Also das bereits geschlossene Auto wieder öffnen und die Abdeckung auf die Scheibe, Tür wieder schließen, alles in Butter.

Aber den Blockwart stört es ja, wenn er schläft, weshalb er seinen Kopf aus dem Wohnzimer(sic!) im Erdgeschoss streckt und uns anmotzt, das manche Leute hier schlafen wollen. Wie recht er hat. Soll er halt ins Schlafzimmer gehen.

Es gibt die eine oder andere Sache, die ich an diesem Haus und dieser Straße nicht vermissen werde. Dazu gehört Blockwart Karl-Heinz und auch andere Nachbarn, die manche Grenzen einfach nicht akzeptieren bzw. ignorieren (und ins Wohnzimmer gerannt kommen) oder mal eben durch die Terrassentür ins Haus stürmen. Gut gemeint oder nicht – es gehört sich nicht.

Bei Menschen wie dem Blockwart frage ich mich ehrlich, warum diese Menschen (noch) am Leben sind. Aber es muss scheinbar auch solche antidarwinistischen Beispiele geben, frei nach dem Motto „Ausnahmen bestätigen die Regel“.

Neuer Personalausweis (Symbolbild)

Tja, mein neuer Perso ist da. Mit einem Bild, dass ich lieber nicht darauf gehabt hätte. In Ermangelung eines passenden Passbildes in Machart eines Proträtfoto, bin ich mit einem Bild, dass in Zukunft auch auf meinem Führerschein zu sehen sein wird, abgelichtet.

Ich bin zur Ausweisstelle mit zwei Bildern gegangen: dem hässlichen biometrischen und dem hässlichen Porträtfoto, dass von den aktuellen noch das geeignetste war – die Wahl zwischen Pest und Cholera. Und selbst auf diesem geeigneteren Bild sah ich aus wie ein kleiner Bruder eines kleinen Türkischen Barbiers. Was nun bei mir völlig daneben ist.

Wobei das biometrische Bild nicht viel besser war. Eine Frontalaufnahme mit diesem „Gestaltungsraster“ ist nun mal nix schönes, für die nächsten 10 Jahre allerdings auf dem Perso und den Rest des Lebens auf dem „Lappen“. Verdammt. Aber ich hätte das andere Bild im Nachhinein auch nicht mehr gewollt.

Und wenn ich bei Heise gerade einen Artikel über den elektronischen Personalausweis lese, dann bin ich schlussendlich doch ein bisschen froh, dass mir das Thema die nächsten 10 Jahre erspart bleibt. Lieber ein hässliches Bild, dass in der Tasche bleibt, als eins, dass jeder Depp von außen lesen kann.

Der Blockwart

Es ist ja nichts neues, das alte Menschen häufiger am Fenster sitzen und die Leute auf der anderen Seite beobachten. Die gründe davon habe ich mal (mit dem Rest des Kurses) in einer Ethikstunde erörtert.

Als Hauptursache haben wird damals die Einsamkeit, die ältere Menschen häufig empfinden, vermutet.

Einer dieser Fensterspanner wohnt ein paar Häuser weiter. Er schaut in die Briefkästen der Leute in der Straße (alles Einfamilienäuser, keine Wohnblocks), als müsse er über Recht und Ordnung waren, er spioniert den Leuten hinterher, wenn Sie auf der Straße laufen.

Den Hammer schlechthin hat er aber aber vorhin gebracht, der Möchtegern-Blockwart: Meine Freundin und ich waren gezwungen, mit einem Teil ihres Autos vor seiner Doppelhaushäfte zu parken. Der Blockwart stand beim ersten Erklingen des relativ leisen Motors (vermutlich als wir in die Straße einbogen) schon am Fenster und beobachtete die Straße.

Als die Hinterränder meiner Freundin vor seinem Haus standen, konnte er trotz seines scheinbar schlechten Augenlichtes seine Neugier hinterm Vorhang nicht mehr verbergen: er leuchtete ihr mit seiner Taschenlampe ganz unauffällig direkt ins Gesicht.

Ich frage mich ehrlich, was solche Menschen antreibt. Einsamkeit kann es zumindest bei ihm nicht sein. Seine Frau lebt noch, er ist in den Dorfvereinen gut integriert (auch wenn ihn nicht alle so gut leiden können, wie er denkt) und hat viele „Kumpels“ hier. Vielleicht liegt es ja an seiner Tochter, die sich, sobald sie konnte, von ihm distanziert hat, innerlich als auch örtlich. Sie ist in die Schweiz ausgewandert und hat kaum noch Kontakt zu ihren Eltern. Für mich verständlich. Für ihn vielleicht der mentale Todesstoß.

Auch wenn er dabei weniger unschuldig ist, als er von sich denkt. Aber Selbsterkenntnis ist nicht jedermanns Sache. Vor allem nicht bei Blockwarten.

Von EuroVideo zu Saturn – Dritter und letzter Akt

1. Aufzug: LGS Hanau, 3 Schüler, 1 Telefon

Ein Klassenkamerad war so freundlich und hat mir für den dritten Anruf sein Handy geliehen, in Erwartung eines längeren Gesprächs mit dem zuständigen Produktmanager von EuroVideo erschien es mir angebracht, eine möglichst günstige TK-Lösung zu finden. Base ist da ganz gut geeignet.

Freundlich war er ja, der Herr Knebel am Telefon, ich vielleicht nicht ganz so, was mir aber eigentlich ziemlich egal war. Schließlich habe ich bezahlt und die haben – mit Verlaub – Scheisse gebaut. Prinzipiell, wurde mir bestätigt, habe ich ja Recht, man schädige den zahlenden Kunden und so weiter und so fort. Aber man müsse das ja auch so sehen, man versuche ja nur, es den Piraten nicht so einfach zumachen und habe im Kopierschutz darauf geachtet, keine „nicht lizensierten“ Abspielprogramme zuzulassen. LinDVD mache im Gegensatz zu VLC da überhautpt keine Probleme, dafür könnte es aber ja auch keinen Stream auf die Platte schreiben. Gut, wieder was über den VLC gelernt.

Die Argumentation, mit einer Kopie (Haha, Kopierschutz, am Arsch… A**DVD kann den knacken, sagt Tante Google und das Sly****-Forum) oder einem aus einer x-beliebigen Tauschbörse hätten die kein Geld verdient, ich aber keine Abspielprobleme blieb im großen und ganzen unwiedersprochen.

Er hat dann auch bedauert, dass ich den Film zurückgeben wolle, beteuerte aber, dass das kein Problem sei, auch wenn der Film offen war, wenn ich dem entsprechenden Händler erklären würde, dass ich den Film nicht abspielen könne. Auf diese Problemlosigkeit hatte ich mich schon gefreut, hatte meine Freundin den Film doch im nahen Saturn-Markt gekauft.

Abtritt Telefonat, Schüler. Ein leerer Klassenraum bleibt zurück.

2. Aufzug: Saturn Hanau, Auftritt Kunde

Wie man das so macht, beim Saturn, beim Empfangschef (Anti-Diebstahls-und-mitgebrachte-Waren-Erfassungs-Beauftrager) die DVD zeigen, sich einen Zettel ausfüllen lassen, dass das die eigene ist und sich ein „Bitte direkt in die CD-Abteilung“ anhören.

Den Azubi hab ich wohl beim Kunden ignorieren gestört, die übersprudelnde Freude, jemand zum Reden gefunden zu haben, war ihm kein bisschen anzusehen, vielleicht war er auch stumm oder hatte Mundgeruch, der ihn vom Reden abhielt, auf jeden Fall war er ziemlich wortkarg und – wie sich herausstellen sollte – auch nicht gerade der hellste.

Die Worte „Ich möchte diesen Film zurückgeben hat er gerade noch so erfassen können, ein leises „Warum denn?“ verließ seine Lippen. Ich habe ihm erklärt, dass der Kopierschutz in meinem Fall auch als Abspielschutz fungiert, mein Linux-System könne den Film nicht abspielen, der Kopierschutz sei schuld, ich will (ich mochte nicht mehr, ich wollte!) den Film zurückgeben. „Repetition works, Dave, repetiton works, Dave!“

Er macht die Hülle auf, guckt die DVD an und meint: „Klar, sind so komische Wellen drauf.“ Die Träge Masse, deren organische CPU in etwa die Dichte eines Schokoladenhasen hatte, setzte sich in Bewegung, verschwand für einen Augenblick und kam wieder. In der Hand –

eine versiegelte Kopie des Films, die er mir auf den Tisch legte und „Bitteschön“ sagte. Wohlerzogen, immerhin dachte meine Halsschlagader mit gefühltem 230er Puls.

„Passen Sie auf. Wenn ich diesen Film jetzt mitnehme, stehe ich morgen mit dem Film wieder hier. Der Kopierschutz verhindert auf meinem „Media Center PC“ (begrifflich übertrieben aber faktisch richtig) auf Linuxbais nicht nur das kopieren, sondern auch gleich das abspielen. Das ist ist ein Fehler, der in allen DVDs, die sie von diesem Film haben drin ist.“ Kurz vorm explodieren erklärte ich dann in einer fast schon zu ruhigen Stimme, eindringlich, leise, zum mitschreiben, er könne gerne die Nummer vom Herrn Knebel, dem Produktmanager bei EuroVideo von mir bekommen, von dem könnte er sich das noch mal erklären lassen und dass entsprechender Produktmanager eben auch meinte, ich könne die DVD zurückgeben. Ich habe ihm auch angedroht, mein Notebook (gleiches System, gleiches Problem) und meine ~300 ORIGINAL-DVDs mitzubringen um ihn davon zu überzeugen, dass es nicht an mir liegt.

Zurückgeben, dass ist für mich das, wo man die Ware ins Geschäft bringt und sein Geld wiederbekommt. Nee, das ginge ja gar nicht, ich könne mir eine Gutschrift geben lassen und ne andere DVD mitnehmen. Und was dem Herrn denn einfiele, zu behaupten, ich könne das zurückgeben und die wäre ja offen. Guter Versuch, Schokohasi – woher soll ich denn sonst wissen, dass der Film sich nicht abspielen lässt?

Ich hatte mich schon auf Vorgesetztengespräche, ein bisschen Theatralik, zorniges Wüten, Androhung von Hausverbot etc. und einen Hinweis auf das Gebiet von Sachmängeln im BGB, Nacherfüllung, Schadensersatz u.a. eingestellt, da knickte der junge Kerl fast schon zusammen. Aber das gehe ja eigentlich nicht, dass man sein Geld zurückbekomme, und das wäre eine große und einmalige Ausnahme und überhaupt.

Endlich hatte er den Zettel ausgedruckt, den ich dann mit einem schnippigen „Danke“ entgegennahm und mich damit auf den Weg zur Kasse machte, bevor er sich die Sache vielleicht nochmal anders überlegen konnte.

Und das alles, weil irgendwelche Kopierschutzsysteme die Raubmord-Nazi-Kinderschänder-Terroristen-Kopierer eben nicht abhalten.

Den juckt das alles nämlich kein bisschen: Der hat sich Nero aus dem Netz runtergeladen und gecrackt, dazu noch die neueste A**DVD-Software, die natürlich innerhalb von zwei Wochen jeden erdenklichen DVD-Kopierschutz knackt, natürlich gecrackt. Und damit brennen die dann die DVD um. Die hat dann keinen Kopierschutz mehr, keine Raubkopierer-sind-Verbrecher- und auch keine Werbespots. Zusätzlich wird das dann in hoher Qualität in DivX oder xviD gerippt und in die Taschbörsen gestellt. Kostenlos, problemlos.

Liebe Filmindustrie, das ist Service. Für alle, die sich nicht darum scheren, ob sie damit Gesetze brechen oder den Filmschaffenden schaden. Und selbst wenn ihr einen unknackbaren Kopierschutz erfinden lassen würdet, diese Leute sind nicht eure Zielgruppe. Die kaufen nichts, gar nichts. Nicht mal die Software, mit der sie ihren Krempel kopieren.

Für den ehrlichen Kunden ist es ein Trauerspiel und es wird nicht besser.

Abtritt alle.

Fummp

Fummp, das etwa war das Geräusch. Der eine oder andere kennt es bestimmt, wenn unter Spannung stehende Boxen, gerade wenn sie einen Ton herausbringen wollen, einfach unterbrochen werden. Durch duckmäuserische Sicherungen, die nur darauf warten, endlich mal nach oben hüpfen zu dürfen.

Ich hatte damit gerechnet, es inständig gehofft, insgeheim gefleht, es möge doch durch einen Zufall, wie er drei- oder viermal im Jahr hier eintritt, das ganze Haus sich abrupt der Stromversorgung entsagt haben, vielleicht auch wie bereits einmal das ganze Dorf. Allein der Lichtschein von oberhalb der Treppe ließ mich vermuten, dass ich Unrecht und vergebens gehofft und gefleht hatte. Dunkel war es nur im Keller.

Die nächste Vermutung musste her. Das Netzteil, meinem gerade startenden Computer schon einmal aufgrund häßlicher Gerüche und magelndem Stromerguss transplantiert. Es hatte damals beim Eingriff schon leicht gerochen. Die nasale Untersuchung jedoch – ergab nichts. Kein Geruch, nicht die leiseste Duftnote nach Verbranntem ging von ihm aus und doch roch es beinahe Übel erregend nach der einen oder anderen Art des Schmorens, wie sie bisher kein elektronisches Gerät in meiner Nähe jemals absonderte.

Der Übeltäter war, als ich meiner Nase folgte, schnell ausgemacht, obwohl ich mich beinahe zwingen musste, ihm näher zu treten. Der Gestank des Versorgungsgerätes war kaum auszuhalten, die Entfernung selbigens von seinem Platz kaum weniger anstrengend.

Und obschon ich zwei vertraute Gesellen fand, die den Platz der drei nun nicht mehr versorgten einnahmen, so ist die Musik in meinen Ohren nur noch halb so farbig, der Klang der Stimmen nicht annähernd so klar, wie einst. Ein Mond wird vermutlich vergehen müssen, ehe ich die Frische der Musik, die Farben der Stimmen, die Klänge eines weltweiten Netzes voller Bewegung und Laute wieder genießen kann.

Aber wenigstens kann ich die Boxen unfrei verschicken und solange habe ich an den alten Boxen wenigstens einen Kopfhöreranschluss. Trotzdem Mist.