Link-Ecke #70

Das Leistungsschutzrecht – Todesstoß für die deutsche Blogosphäre

Sollte der Gesetzesentwurf zum Leistungsschutzrecht angenommen werden, werde ich dieses Blog erstmal schließen, bis sich zeigt, was das Leistungsschutzrecht bewirkt und was nicht. Ich habe schon einmal eine sehr gewagte Abmahnung wegen eines angeblich ach so nachgemachten Logos bekommen, die mich 250 Euro Gebühren für einen Anwalt gekostet hat. Eine Unterlassungserklärung habe ich allerdings nie unterschrieben.

Zitate sind in Ordnung, aber wo das Zitatrecht nicht greift, greift dann automatisch das Leistungsschutzrecht? Das geht mir persönlich ein wenig zu weit. Und für diese wenigen Sätze, ich aus Artikeln bisher zitiert habe um sie abseits einer Moderation durch die Zeitung zu kommentieren, werde ich kein Geld zahlen. Stefan Niggemeier schreibt:

Sobald das Zitatrecht nicht greift, sind schon winzigste Bestandteile der Artikel durch das Leistungsschutzrecht geschützt. Womöglich reicht es schon, einen Link zu setzen, wenn in diesem Link der Wortlaut der Überschrift enthalten ist, wie es inzwischen meistens üblich ist, etwa so:

http://irights.info/?q=content/referentenentwurf-zum-leistungsschutzrecht-eine-erste-ausfuhrliche-analyse

Es mag schon sein, dass die Verlage diese Art der Nutzung gar nicht einschränken wollten. Es mag sein, dass das nur die Kollateralschäden des Versuchs sind, von den beneidenswerten Einnahmen der Suchmaschinenbetreiber zu profitieren.

Wenn dem so ist, werde ich mir ausführlich Gedanken machen, welchen Sinn und welchen Zweck die Publikation einer Webseite hat, die ich entweder extrem teuer bezahlen muss, die Seite bei Google unauffindbar sein muss, oder ich werde zu aktuellen Themen keine Stellung mehr beziehen und mein halbes Archiv auf „privat“ schalten.

Wenn ich überlege, wie viele Zeitungsartikel das Wort „und“ enthalten, welches dann ja auch ein LSR-geschützer Begriff sein könnte… Ich weiss, ich übertreibe, aber man siehe sich das Beispiel oben an. Wem das nicht reicht, der kann sich ja mal in das Thema „Kennzeichenscanning / LKW-Maut / Datenbank“ einlesen oder mal recherchieren, welche Anfragen zu „schweren Straftaten und Terrorismus“ bei der Vorratsdatenspeicherung wirklich zum tragen kamen. Oder die Einsatzgebiete des so genannten Staatstrojaners. Nur um mal das Verhältnis „könnten wir“ und „machen wir“ aufzuzeigen.

Ja, es ist pessimistisch. Ja, ich glaube wirklich, dass die Einführung eines solchen Gesetzes am Ende mit der vollen Härte und Breitseite trifft. Ja, ich bin überzeugt, dass ein Leistungsschutzrecht die Deutsche „Blogosphäre“ ziemlich beeinträchtigen wird, spätestens wenn der erste eine Abmahnung wegen dem LSR bekommen wird.

Ja, ich möchte meinen Kopf stundenlang auf eine Tastatur hauen und zufällige Substrings dieser Zeichenfolge mit dem Leistungsschutzrecht einklagen.

Nachtrag: Den auf Niggemeiers zitierten Beitrag folgenden „Leistungsschutzrecht: Eine Frage der Ehre?“ sollte man auch mal lesen. Nur um mal ein Gefühl dafür zu bekommen…

Offener, demokatischer Dialog klingt anders

„Wir sollten die Piraten nicht umarmen, sondern bekämpfen indem wir offensiv Gegenpositionen nach außen tragen, um die Scheinwelt der Piraten zu entzaubern. […] [Einige glauben] Raubkopien seien ein Menschenrecht, aber das stimmt nicht, man kann nicht alles umsonst haben. Die geistigen Errungenschaften von Kreativen und Kulturschaffenden müssen geschützt werden.“Spiegel Online zitiert Boris Palmer

Bürgernähe, Netzaffinität, Politik, die mit der Zeit geht und weniger von Interessens- und Lobbyistengruppen beeinflusst wird. Bei den Grünen auf den oberen Etagen Fehlanzeige. Hier wird von Raubkopien gesprochen, ein Wort das ebenso falsch wie einseitig wertend ist. Hier wird von Urheberrecht gesprochen, aber wieder Nutzungsrecht gemeint.

Und wenn dann auch noch Politiker der Grünen Podiumsdiskussionen absagen um „dem politischen Feind“ keine Bühne zu bieten, dann sorge ich mich nicht nur um das Rechts- sondern auch das Demokratieverständnis der Partei.

Politik-Talks vom 28c3

Die Koalition setzt sich aber aktiv und ernsthaft dafür ein


Politik Hacken


Beide Vorträge habe ich live gesehen, beide waren amüsant und lehrreich. Einer von beiden war gar verhaltensändernd. Ich glaube jeder, der den Vortrag von maha gesehen hat, ertappt sich beim Nachrichten schauen nun dabei, die Aussagen auf die verräterischen Passivkonstrukte (die man z.B. auch gestern in den Tagesthemen von Merkozy beobachten konnte) und ähnliche Nebel-Stilmittel zu untersuchen.

Zwei Jungs von der Hedonistschen Internationalen waren übrigens auch neulich im CRE185 Hedonistische Internationale zu Gast. Auch eine sehr hörenswerte Folge.

Helmut und Peer

Berlin dpo – Postillon-Recherchen haben ergeben, dass Altbundeskanzler Helmut Schmidt 92 dem sogenannten „Enkeltrick“ zum Opfer fiel. Demnach gelang es dem Trickdieb und Betrüger Peer S., durch gemeinsames Schachspielen Schmidts Vertrauen zu erschleichen und dadurch Tantiemen für ein Buch und eine informelle Ernennung zum Kanzlerkandidaten der SPD zu ergaunern. – Der Postillon: Altbundeskanzler Helmut Schmidt auf „Enkeltrick“ hereingefallen.

Die Sicht auf das Internet

Schnell lernt der dmexco-Besucher, in der Mitte der Gänge zu laufen, und nicht stehenzubleiben. Wer diese Regel missachtet, macht sofort Bekanntschaft mit einer jener tausenden freundlichen und gesichtslosen Damen, die ihre Einstellungsqualifikation für den Job als Hostess in wenig und engen Stoff gehüllt präsentieren. — Die dmexco überleben: Survival in der Einöde des Digital Marketing

Politiker sehen das Internet als Gefahr, Marketingmenschen als Goldgrube. So weit, so gut. Linus Neumann hat sich mal auf der dmexco aufgehalten und einen extrem erfrischenden und lesenswerten – wenn auch in der Botschaft nicht sonderlich überaschenden – Artikel geschrieben.

Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich damit kein bisschen gerechnet hätte.

Menschen die das Internet oder „Netz“ als Ding oder Sache betrachten, die man nach bekannten Mustern beschreiben und einordnen kann, werden das Internet, seine Möglichkeiten, seine Struktur, die Leidenschaft der Menschen die das Internet zu dem gemacht haben, was es wirklich ist nie verstehen.

Das Netz ist soviel mehr als das man es rein als Gefahr oder Gelddruckmaschine ansehen kann. Eigentlich ist das Netz für jeden etwas anderes. Nämlich das, was er gerne sieht. Ob es das wirklich ist, ist eine andere Geschichte.

Kognitive Dissonanz – Epidemie in der FDP?

Gefragt, warum der eurokritische Wahlkampf der Berliner FDP nichts gebracht hat, antwortet Pfeil, es sei „schlimm, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine politische Bildung genossen hat. Die Masse ist meinungslos, sprachlos.“ – Liberale Ursachenforschung – Zu dumm für die FDP – Politik – sueddeutsche.de

FDP-Wahlergebnis

CC-BY by Fräulein Schiller

Vielleicht ist auch einfach die Zeit der FDP abgelaufen. Firmen, die ein Stadium erreicht haben, welches die FDP derzeit hat, nennt man gemeinhin „bankrott“. Keine Wähler mehr, kein Profil. Der Unterschied zur SPD ist: die beschimpfen die (potentiellen) Wähler der anderen vor der Wahl.

Und gerade bei einem Wahlergebnis von 1,8% die schuld den 98,2% anderen Berlinern zu geben halte ich für ein falsches – vielleicht sogar tödliches – Signal. So funktioniert Demokratie. Wer die Leute nicht überzeugt, bekommt keine Stimmen. Damit bin ich auch ausdrücklich der Meinung, dass die Piraten in Berlin nicht das Ergebnis einer Protestwahl sind.

Ich denke auch, dass der von den Medien und Alt-Parteien gefeierte „FAIL“ von Andreas Baum im RBB, eher zu einer Glaubwürdigkeitszuwachs geführt hat.

Man könnte die Herrn Pfeil zurückfragen: Ist die FDP zu dumm für Demokratie?

Eigene Meinung im Web: Bei den Grünen unerwünscht?

Was sich derzeit in der Kreistagsfraktion der Grünen im Main-Kinzig-Kreis abspielt, hätte ich niemals für möglich gehalten: Da fordert der Fraktionsvorsitzende, Rainer Bousonville, seinen Vorstandskollegen Daniel Mack eindeutig auf, künftig seine Aktivitäten bei Twitter und in seinem Blog entweder einzustellen oder aber mit dem Fraktionsvorstand abzustimmen

Das was der Emanuel sagt. Aber sowas von.