Terrorists win (Überall, außer in Norwegen)

Nein, ich möchte gar nicht weiter drauf eingehen, dass Medien nach den Anschlägen in Norwegen erstmal wieder auf dem Islam rumgehackt haben und am Ende ein mutmaßlicher christlicher Fundamentalist der Täter war.

Was mich positiv beeindruckt hat, ist die (relative) Gelassenheit, mit der die Norweger zumindest aktuell noch argumentieren. Die freie und offene Gesellschaft Norwegens sei das Ziel solcher Vorschläge und änderte man die Gesellschaft, hätte der Terrorist gewonnen.

Ein Ansage, die ich außer bei den Skandinaviern in keinem anderen Teil der westlichen Welt erwarten würde. Überall sonst werden zu solchen Anlässen neue Terrorgesetze und Repressionsorgane aufgerüstet und eingerichtet, um bloß gegen irgendeinen nebulösen Verdacht geschützt zu sein. Was nicht funktioniert.

Und auch, wenn die Anschläge in Norwegen stattfinden sind sich die GdP und diverse Innenminister nicht zu schade/blöd, gleich wieder mehr Überwachung und Kontrolle zu fordern. Man kann praktisch die Uhr danach stellen, ebenso wie nach den Pfosten, die nach einem Amoklauf wieder „Killerspiel“-Verbote fordern.

Gleichzeitig wird ein Klima des gegenseitigen Mißtrauens aufgebaut, in dem  empfohlen wird, lieber „ein mal zu viel als ein mal zu wenig“ die Polizei zu rufen. Das gabs auch schonmal, mit den Terroristen, und woran man sie erkennt.

Böse Menschen, böse Leader, böse Menschen schießt man nieder?

Osama ist tot. Soso. Sagt die amerikanische Administration. Dadurch steigt die Terrorgefahr. Sagt die amerikanische Administration.Daher müsse man die Anti-Terrorgesetze verlängern und verschärfen. Sagt Hans-Peter Friedrich.

Christen freuen sich über den gewaltsamen Tod eines Mannes. Begrüßen ein Killer-Kommando. Wo bleibt da der Humanismus? Sind wir wieder bei den im mittelalter so beliebten Kreuzzügen angekommen? Auf Twitter fragte jemand, wie Angela Merkel das mit ihrem Glauben vereinen kann, sich darüber zu freuen.

Denn immerhin verstößt ein solches Mordkommando gegen eines der zentralen Dogmen der christlichen Werteordnung, gegen das fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten“. Das ganze kann man sich natürlich wunderbar zurechtbiegen, wenn man den Tod Osamas als „Gottes gerechte Strafe“ sieht und die USA (i.e. das Mordkommando) als ausführende Hand Gottes. Aber das wäre sicher vermessen, sowas tut keiner. Außer bei den Kreuzügen, bei dem Christen durch das Morgenland geritten, gebrandschatzt, geplündert und vergewaltigt haben, was das Zeug hielt, sich verhielten wie eine achte biblische Plage und dachten von sich, Gottes rechte Hand zu sein.

Und Ernst Preussler fragt zurecht auf in seinem „Piratengedanken“, was die Amerikaner, die anlässlich der Ermodung von Usama bin Laden jubelnd auf die Straßen gehen, von den jubelnden Muslimen unterscheidet, die erfolgreiche Terroranschläge so feiern, unterscheidet.

Was viele in Europa vergessen ist, dass die Amerikaner spätestens seit der industriellen Revolution nicht humanistisch sondern vorwiegend utilitaristisch denken und handeln. Das Kantsche Dilemma, einen Jungen oder Embryonen aus einem Feuer zu retten ist für Amerikaner die Amerikanische Administration nur eine Frage des Stands der Reproduktionsmedizin. Kurz ausgedrückt: „Töte einen, rette viele“. Unter diesen Umständen sieht man die Rache an bin Laden natürlich als gerechtfertigt.

Ich will damit nicht verherrlichen oder vergessen, welches Unglück und wieviel Tod Bin Laden in die Welt gebracht hat, aber letztendlich ist er einer von uns: ein Mensch. Und auch für böse Menschen gelten Menschenrechte.

Mehr Stoff:

Der Terrortest

http://www.youtube.com/watch?v=XXn11XBPOCE

Be-schäm-end. Mehr kann man dazu nicht sagen. Ach nein, kann man doch: gefährlich. Und das auf mehrere Weisen nicht zu knapp. Erstens legt das auf den ersten Blick eine Fremdenfeindlichkeit nahe (oder offen?), welche in einer aufgeklärten Gesellschaft nicht vorhanden sein sollte.

Zweitens zeigt das schon sehr deutlich auf, dass man mit der Terrorabwehr-Wache keinesfalls auf die Gefahr aus dem inneren gewappnet ist.

Und das der „komisches Verhalten“-Sensor nur in Verbindung mit langen Kleidungen und langen Bärten getriggert wird, ist einfach nur arm. Aber das sagte ich ja schon.

80er gegen 00er

Die Entwicklung der Gesellschaft lässt sich ganz deutlich an der Antwort auf folgende Frage messen:

„Wenn etwas in der Nachbarschaft komisch ist, wen wirst du anrufen?“

[An dieser Stelle sollte ein Video mit dem Ghostbusters-Theme erscheinen, aber Sony und UMG wollen das nicht. Das Video ist in meinem beschissenen Land verfickt nochmal nicht verfügbar.]

In den 80ern war die Antwort: „Ghostbusters. Heute ist die Antwort „Polizei“, „Ordnungsamt“ oder „Ausländerbehörde“.