Ich habe eine 8-stellige ICQ-Nummer. Ich bin also schon eine Weile dabei. Im Gegensatz zu manch anderen ist das mein erster und einziger Account, soweit ich mich erinnern kann. Ich frage mich ja manchmal, seit wann ich Internet habe, denn in etwa so lange habe ich auch diesen Account.
„Ah-Ooohh.“
Ich hatte ICQ, weil es so geil war, so schnell, so toll, so bunt. Die Welt war bunt, und ich konnte mit meinen Freunden Chatten und Dateien tauschen.
Dann kam die Werbung. ICQ wurde werbeverseucht und wir tauschen untereinander, die neuen, werbefrei-Patches für ICQ und schickten Ketten-Nachrichten herum, dass ICQ kostenlos bleiben sollte, dass man blaue ICQ-Blumen wollte und was weiss ich. Es war die Zeit, zu der AOL in Deutschland noch CDs verteilte. 6.0 glaube ich, war es damals.
Ich habe immer noch einen von 2 MSN-Accounts. Die hatte ich weil einige meiner Freunde zu doof oder faul waren, sich ICQ runterzuladen. Und weil meine Cousine das hat. Den einen mit der Hotmail-Adresse habe ich nicht mehr, ich kam da irgendwie nicht mehr rein und/oder hatte mein Passwort vergessen.
Ich habe einen AIM-Account. Naja, ich hatte auch Freunde bei AOL. Eine meiner Ex-Freundinnen und ihre Schwester hatten/haben AIM. Und einer meiner damals besten Schulkumpels.
Ich habe 3 XMPP/Jabber-Accounts. Die sind alle relativ neu. Google Talk war der erste. Google Talk war geil, weil es einen Open Source Standard nutzte. Google Talk loggt die Hölle. Und trotzdem hat sich Google Talk in meiner Firma – und ich bin mir sicher, in vielen anderen Firmen auch – als Kommunikationsstandard etabliert. Mein Versuch, vor über einem Jahr, die Leute dazu zu bringen, einen eigenen Jabber-Server aufzusetzen, hat leider nicht gefruchtet. Dadurch, dass unser Azubi das Thema aus Langeweile aufgegriffen hat, besteht immerhin eine Chance, es in diesem Jahr umgesetzt zu bekommen. Endlich. Dann kann ich endlich die ganzen nicht-privaten und firmen-extenen Kontakte aus meiner Firmenliste schmeissen, so dass ich, wenn ich mich in der Firma auslogge, nicht auch die ganzen Firmenkontakte in meiner Freizeit rumschleppe, sondern dies bewusst steuern kann.
Außerdem kann ich nur jedem davon abraten, in Zukunft ICQ neu zu installieren oder einen Account da zu beantragen. United Internet bietet mit dem Web.de und dem GMX-Multimessenger zwei XMPP-basierte Chatsysteme an, d.h. jede GMX und Web.de-Adresse ist auch eine Jabber-ID, was einiges schick einfach macht, ebenso bei Google Talk.
Darüber hinaus ist Jabber deutlich überlegen, was die vielfältigkeit der Kommunikation in Bezug auf Multiuser-Chats angeht. Wenn irgendeine Technik irgendwann mal das Zeug haben sollte, das gute alte IRC zu ersetzen, dann XMPP.
Darüber hinaus ist ein eigener Server schnell aufgesetzt, ganz ohne komische Lizenzbedingungen und Datenspeicherung bei Google (außer man chattet mit einem Google Talk User, der alles speichert).
Insgesamt ist meine Empfehlung, die ICQs und AIMs der Welt endlich zu verbannen und auf XMPP/Jabber umzusteigen. Das Problem an der ganzen Geschichte ist das gleiche, das ICQ erst groß gemacht hat: man nutzt das, was die Freunde nutzen. Und wenn die aus Trägheit, Faulheit oder Ignoranz nicht mitmachen steht man entweder alleine da, oder man macht weiter wie bisher…
Immerhin hatte ich seit meinen ersten Tagen mit mehreren IM-Netzen einen Multimessenger, so dass ich wenigstens nicht 5 Programme brauchte. Ich habe mit Trillian 2 angefangen, dann bin ich auf Miranda umgestiegen, weil mir Trillian 3 zu viel Ressourcen brauchte und mit dem Wechsel auf Linux auf Pidgin – auch auf den Windows-Rechnern. Mittlerweile nutze ich ja hauptsächlich irssi und bitlbee, und für die Jabber-Accounts wahlweise Pidgin, oder, was ich neu für mich entdeckt habe, den reinen Jabber-Client Psi.
Update: Google Wave hat das Google Wave-Protokoll übrigens auch auf der Basis von XMPP geschrieben. Und die Server-zu-Server Synchronisierung von Status.net-Installationen läuft auch via XMPP.